Die Debatte: GESUNDHEIT ZUM FRÜHSTÜCK

19. März 2015

Fünf vor zwölf für die Pflege in Deutschland

Deutschland droht angesichts der älter werdenden Gesellschaft ein massiver Pflegenotstand. Zum einen mangelt es an einem nachhaltigen Finanzierungskonzept, zum anderen fehlen die Fachkräfte. Bei der heutigen Veranstaltung GESUNDHEIT ZUM FRÜHSTÜCK der Schwenninger Krankenkasse diskutierten Staatssekretär Karl-Josef Laumann, Pflegebevollmächtigter der Bundesregierung, und Bernd Meurer, Präsident des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste e.V., über Lösungsansätze, Finanzierungsmodelle und notwendige gesellschaftliche Rahmenbedingungen, um die Pflegesituation in Deutschland zu verbessern.

 

Staatssekretär Karl-Josef Laumann betonte, wie intensiv die Bundesregierung an einer Verbesserung der Pflege arbeitet: „Bis 2017 werden wir das Leistungsvolumen in der Pflegeversicherung um insgesamt 20 Prozent erhöhen. Mit dem Pflegestärkungsgesetz I haben wir die Betreuung und Versorgung Pflegebedürftiger in stationären Einrichtungen und zu Hause sowie die Unterstützung pflegender Angehörigen gestärkt. Im zweiten Reformschritt werden wir noch in diesem Jahr den Gesetzgebungsprozess zum neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff abschließen“, kündigte Laumann an.

 

Mit dem neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff und einem neuen Begutachtungsverfahren wird die Pflegeeinstufung grundlegend verändert. Statt drei Pflegestufen soll es künftig fünf Pflegegrade geben, die außer körperlichen Faktoren auch geistige und kommunikative Kriterien berücksichtigen. So können die Leistungen viel individueller an die Situation des einzelnen Pflegebedürftigen angepasst werden.

 

Bernd Meurer machte auf die Situation bei den Pflegekräften aufmerksam und mahnte: „Der drohende Pflegenotstand lässt sich nicht mit einem Handstreich aufhalten. Die Problemlage ist komplexer als die bloße Frage der Finanzierung. Es fehlt die breite Anerkennung des Berufsbildes. Wir müssen den Pflegeberuf attraktiver gestalten, um einen dauerhaften Fachkräftemangel zu verhindern. Dabei muss aber die Altenpflegeausbildung als Garant für eine auf die Bedürfnisse alter Menschen fokussierte Ausbildung erhalten bleiben.“

 

Siegfried Gänsler, Vorsitzender des Vorstandes der Schwenninger Krankenkasse, warb für mehr Aufklärung über den Leistungsumfang der Pflegeversicherung: „Wir brauchen in der Bevölkerung ein stärkeres Bewusstsein darüber, dass die Pflegeversicherung kein Rundum-sorglos-Paket ist, sondern eine Teilkaskoversicherung, die den individuellen Kostenaufwand für die eigene Pflege reduziert, aber nicht vollständig trägt.“

 

 

Podcast "Wir wollen's wissen" Pflegeversicherung
Hören Sie ein Interview mit dem Vorstand der Schwenninger Krankenkasse Siegfried Gänsler

 

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Staatssekretär Karl-Josef Laumann, Pflegebevollmächtigter der Bundesregierung (links), zu Gast bei der Schwenninger Krankenkasse.

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Siegfried Gänsler, Vorsitzender des Vorstandes der Schwenninger Krankenkasse (stehend, rechts) eröffnete die gesundheitspolitische Debatte zur Zukunft der Pflege und begrüßt die Diskutanten und Gäste.

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Staatssekretär Laumann (rechts) erläuterte bei „Gesundheit zum Frühstück“ die beiden Pflegestärkungsgesetze, mit denen die Regierung die Pflegeversicherung bis 2017 grundlegend reformieren will.

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Bernd Meurer (links) vom Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste machte auf den Fachkräftemangel aufmerksam und warb für eine Aufwertung des Berufsbildes Altenpflege.

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Sprachen über die Zukunft der Pflege: Siegfried Gänsler, Vorsitzender des Vorstandes der Schwenninger Krankenkasse, Bernd Meurer, Präsident des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste e.V, und Staatssekretär Karl-Josef Laumann, Pflegebevollmächtigter der Bundesregierung (von links nach rechts).

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