Neue Wege in der Demenzpflege

06. Dezember 2018

Wie Märchenerzählen bei Demenz helfen kann und Pflegekräfte entlastet

Hamburg – Eine innovative Präventionsmaßnahme der Schwenninger Krankenkasse startet heute im Max-Herz-Haus der Albertinen: Märchenerzählen soll einen Zugang zum Langzeitgedächtnis der demenzerkrankten Menschen schaffen, Symptome  lindern, ihre Lebensqualität erhöhen und gleichzeitig das Pflegepersonal entlasten. Durchgeführt wird es von MÄRCHENLAND – Deutsches Zentrum für Märchenkultur. Start der anerkannten achtwöchigen Präventionsmaßnahme ist der 06.12.2018.

 

Wirkung wissenschaftlich untersucht


Entwickelt wurde das professionelle „Demenzerzählen“ von MÄRCHENLAND in einer fünfjährigen wissenschaftlichen Wirksamkeitsstudie „Es war einmal … MÄRCHEN UND DEMENZ“ (2015) im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie der Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales Berlin. Fazit der Studie, die mit wissenschaftlicher Begleitung in Pflegeeinrichtungen durchgeführt wurde: Professionelles, regelmäßiges und strukturiertes Märchenerzählen ermöglicht Menschen mit Demenz mehr Wohlbefinden, reduziert herausfordernde Verhaltensweisen und aktiviert Verhaltenskompetenzen.


Darauf aufbauend wurde von Oktober 2016 bis 2018 unter der Leitung von Prof. Dr. Berger die wissenschaftliche Studie „Die Entlastung des Pflegepersonals im Akutkrankenhaus durch Märchenerzählen für Patienten mit Demenz“ im Albertinen-Krankenhaus Hamburg durchgeführt. Sie untersuchte folgende Inhalte, die zur Verbesserung des stressigen Pflegealltags führen sollen: Steigerung der Mitarbeiterzufriedenheit und Motivation; Entlastung und Abwechslung im Pflegealltag; verbesserter Zugang zu den Erkrankten sowie bessere Verbindung zu den Angehörigen.


Die Erfolge und die positiven Auswirkungen des Märchenerzählens sind trotz der herausfordernden Bedingungen im Akutkrankenhaus unverkennbar.


Aufgrund der beiden Pilotstudien entwickelte MÄRCHENLAND die Präventionsmaßnahme „Es war einmal… Märchen und Demenz“, die sich sowohl an Patienten und Pflegepersonal richtet. Als erste Krankenkasse deutschlandweit bewilligte die Schwenninger Krankenkasse diese Maßnahme, die nun auch in der Autonomen stationäre Wohngemeinschaft (AsWG) des Albertinen-Krankenhauses durchgeführt wird.

Das Wohnkonzept, ein Bundesmodellprojekt, hat in der Betreuung von Menschen mit Demenz wegweisenden Charakter. Ziel ist es, die Lebenssituation der Betroffenen in allen Phasen der Demenz zu verbessern. Somit treffen in dieser Maßnahme mit MÄRCHENLAND – Deutsches Zentrum für Märchenkultur, der Schwenninger Krankenkasse und dem Albertinen-Krankenhaus drei innovative Akteure aufeinander, die gemeinsam neue Wege in der Demenzpflege gehen.


Ein wichtiger Teil der Maßnahme besteht außerdem in der Ausbildung der Pflegekräfte: Ausgewählte Mitarbeiter des Akutkrankenhauses werden in der Märchenvermittlung geschult, um die psychosoziale Intervention weiterzuführen. Durch die Ausbildung der Pflegekräfte sorgt MÄRCHENLAND für die praktische Umsetzung der Ergebnisse der Wirksamkeitsstudie.
 

Kurzprofil „MÄRCHENLAND – Deutsches Zentrum für Märchenkultur“:

 

Im Jahr 2004 haben Silke Fischer und Monika Panse MÄRCHENLAND – Deutsches Zentrum für Märchenkultur gegründet, um das Kulturgut Märchen in das Bewusstsein unserer Gesellschaft einzuprägen. Es ist das einzige Zentrum seiner Art in Deutschland. MÄRCHENLAND sieht in dieser Tradition eine innovative Kraft und arbeitet mit dem Kulturträger Märchen aktiv im Pflegebereich. Ohne zu infantilisieren und mit dem Anspruch, zwar erkrankte aber erwachsene Personen zu betreuen, will MÄRCHENLAND mit ausgewählten, zielgruppengerechten Märchen einen Zugang zum Langzeitgedächtnis von Menschen mit Demenz schaffen und eine Brücke in die Erinnerung bauen.



Bild zur journalistischen Nutzung mit Nennung der Quellenangabe "Philipp Schumann" zum Abdruck frei.

Bild zur journalistischen Nutzung mit Nennung der Quellenangabe "Philipp Schumann" zum Abdruck frei.


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