Märchen helfen bei Demenz - eine Erfolgsgeschichte im Schwarzwald-Baar-Kreis

13. September 2019

Märchenstunden in Pflegeeinrichtungen der Region zeigen positive Wirkung

Region – Villingen-Schwenningen / Bad Dürrheim / Vöhrenbach – Menschen mit Demenz fallen auf, denn die Krankheit kann zu ungewöhnlichem Verhalten führen – so die deutsche Alzheimer Gesellschaft. Das Motto ihres diesjährigen Welt-Alzheimer-Tages am 21. September 2019 lautet daher „Demenz - Einander offen begegnen“. Es steht dafür, die Betroffenen trotz der Erkrankung zu akzeptieren und zu integrieren. Das ist auch Ziel des von der Schwenninger Krankenkasse geförderten Projektes „Märchen und Demenz“ für Senioren in Pflegeheimen des Schwarzwald-Baar-Kreises. Dabei schulen Experten des Kooperationspartners MÄRCHENLAND die Betreuungskräfte im Märchenerzählen speziell für Demenzkranke - so auch in Bad Dürrheim im Zentrum für Betreuung und Pflege Hirschhalde und in Vöhrenbach im Zentrum für Betreuung und Pflege Luisenhof.

 

Über eine halbe Million Demenzerkrankte leben in Pflegeheimen. Dort werden sie professionell versorgt, um zunächst die grundlegenden Bedürfnisse nach Körperpflege, Kleidung, Essen und medizinischer Betreuung zu stillen. Moderne Einrichtungen bemühen sich darüber hinaus immer mehr, auch auf die speziellen emotionalen Bedarfe ihrer Patienten einzugehen. Das ist selbst für erfahrene Pflegekräfte mitunter eine schwierige Aufgabe, denn viele Erkrankte sind unsicher, verstört und mitunter depressiv. Sie finden sich in ihrem Alltag sowie in der Kommunikation mit anderen Menschen nicht immer zurecht.

 

Gefühlsebene bei Alzheimer-Patienten lange aktiv

 

Dass sich Demenzerkrankte aufgrund ihrer emotionalen Verwundbarkeit abgelehnt fühlen und sich immer weiter in sich selbst zurückziehen, sollte daher unbedingt vermieden werden. Denn es ist insbesondere die Gefühlsebene, die bei den Patienten sehr lange erhalten bleibt und somit den Zugang zu ihnen ermöglicht.

 

 Das war auch einer der Ausgangspunkte des vierjährigen Forschungsprojektes „Märchen und Demenz“, das sich auf Märchenstunden für Demenzpatienten konzentrierte. Märchen aktivieren Emotionen und sind allgemein bekannt. Somit bieten sie Sicherheit und sind zugleich eine Brücke zu den Erinnerungen der erkrankten Senioren.

 

Die von „MÄRCHENLAND – Deutsches Zentrum für Märchenkultur“ ins Leben gerufene wissenschaftliche Untersuchung zeigt die positiven Auswirkungen des Märchenerzählens auf demenzbedingte Verhaltensweisen wie  Aggressivität oder Zurückgezogenheit. Auch das Langzeitgedächtnis und verloren geglaubte Fähigkeiten können individuell verschieden reaktiviert werden. Das steigert die Lebensqualität der Betroffenen und entlastet gleichzeitig die Pflegekräfte.

 

Vom Pilotprojekt bis in unsere Region

 

Als erste Krankenkasse in Deutschland entschied sich die Schwenninger bereits im Jahr 2017 für ein Pilotprojekt, bei dem Pflegekräfte im Märchenerzählen geschult werden. „Wir freuen uns und sind stolz, dass wir gemeinsam mit unserem Kooperationspartner den Grundstein für viele weitere Märchenstunden in zahlreichen Pflegeheimen legen konnten und mittlerweile auch andere Kassen aufgesprungen sind“,  sagt Fabienne Hofmann, Leiterin des Bereiches Prävention der Schwenninger Krankenkasse.

 

In der Region initiierte die Schwenninger im Jahr 2018 „Märchen und Demenz“-Projekte in Seniorenheimen, so unter anderem in Bad Dürrheim (Zentrum für Betreuung und Pflege Hirschhalde) und in Vöhrenbach (Zentrum für Betreuung und Pflege Luisenhof). Dort haben sich jeweils feste Gruppen mit ungefähr fünfzehn bis zwanzig Teilnehmern gebildet, die sich alle zwei Wochen auf die Märchenstunden freuen.

 

In der Hirschhalde und im Luisenhof werden die Auswirkungen der Märchenstunden als durchweg positiv bewertet, und zwar sowohl für die Teilnehmer der Märchenrunde selbst als auch für die Pflegekräfte. In Bad Dürrheim möchten alle bisher geschulten Betreuerinnen an einer Aufbauschulung teilnehmen; in Vöhrenbach ist eine monatliche Märchen-Theatergruppe geplant.

 

Auf die Frage, was die hiesigen Märchenerzählerinnen als größten Erfolg während einer Märchenstunde betrachten, wird von Entspannung und Ruhe sowie von zufriedenen und vor Freude strahlenden Gesichtern der Teilnehmer berichtet. Kindheitserinnerungen werden geteilt, und die Teilnehmer möchten immer gerne noch ein weiteres Märchen hören. Die Freude geht über die einzelne Märchenrunde hinaus: Teilnehmer freuen sich schon auf das nächste Mal.

 

Aufgrund der sehr guten Erfolge des Projektes wird derzeit ein Einsatz im Akutbereich – also auf geriatrischen Stationen in Kliniken - geprüft. Sollte sich das Märchenerzählen auch hier positiv auswirken, könnten die „guten alten Geschichten“ ein weiteres neues Kapitel in der Betreuung demenzkranker Menschen aufschlagen.

 

 

Zusatzinformation:

 

Die Wirksamkeit des Programms von MÄRCHENLAND – Deutsches Zentrum für Märchenkultur wurde in einer vierjährigen Studie im Auftrag des Bundesfamilienministeriums und in wissenschaftlicher Begleitung durch die Alice Salomon Hochschule Berlin nachgewiesen.

Märchen und Demenz ist als psychosoziale Intervention zur Prävention und Gesundheitsförderung von pflegebedürftigen Senioren in stationären Pflegeeinrichtungen entsprechend der Rahmenbedingungen nach § 5 SGB XI sowie der GKV nach § 20 Abs. 1 SGB V. entwickelt worden.

 

Links zu weiterführenden Informationen:

 

https://www.deutsche-alzheimer.de/termine/welt-alzheimertag.html

maerchenunddemenz.de/wp-content/uploads/2018/08/Pr%C3%A4ventionsma%C3%9Fnahme-Kurzinformation.pdf

http://märchenland.de/presse/texte/Presse-Information-Dezember.pdf

maerchenunddemenz.de/20172018-projekt-mit-der-schwenninger-krankenkasse-und-der-korian-gruppe/

www.alzheimer-bw.de/fileadmin/AGBW_Medien/Dokumente/Nachlesen/2008/081218_Mit_Maerchen_und_Geschichten_Menschen_mit_Demenz_begleiten_Bilder.pdf 



Märchenerzählerin im Einsatz

Bild zur journalistischen Nutzung mit Nennung der Quellenangabe "MÄRCHENLAND" zum Abdruck frei.

Märchenerzählerin in persönlicher Interaktion mit Teilnehmerin

Bild zur journalistischen Nutzung mit Nennung der Quellenangabe "MÄRCHENLAND" zum Abdruck frei.


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