„Es war einmal…“: Wie Märchenerzählen bei Demenz helfen kann

06. November 2018

Projekt der Schwenninger Krankenkasse startet in zwei regionalen Pflegeeinrichtungen in Bad Dürrheim und Vöhrenbach

Bad Dürrheim / Vöhrenbach – In Deutschland leben derzeit ungefähr 1,6 Millionen Menschen mit Demenz. Rund 500.000 Betroffene werden in Pflegeeinrichtungen betreut. Ein neues Projekt der Schwenninger Krankenkasse soll dabei helfen, durch Märchenerzählen einen Zugang zum Langzeitgedächtnis der demenzerkrankten Menschen zu schaffen, Symptome zu lindern und ihre Lebensqualität zu erhöhen. Durchgeführt wird es von MÄRCHENLAND – Deutsches Zentrum für Märchenkultur im Zentrum für Betreuung und Pflege Hirschhalde in Bad Dürrheim sowie im Zentrum für Betreuung und Pflege Luisenhof in Vöhrenbach.

 

„Für demenzerkrankte Menschen ist im Alltag vieles fremd geworden. Märchen hingegen sind ihnen aus der Kindheit vertraut und rufen daher glückliche Erinnerungen sowie Gefühle bei ihnen wach. Märchenerzählen kann die Betroffenen positiv beeinflussen und ihnen helfen, eine Brücke in die Erinnerung zur schlagen“, sagt Kerstin Siebenmorgen, die das Projekt von Seiten der Schwenninger betreut.

 

Die Pflegekräfte der teilnehmenden Einrichtungen werden zwei Tage lang zum professionellen Märchenvorleser geschult. Die Erzählstunden sollen dann zum festen Bestandteil im Alltag der Pflegeeinrichtungen werden.

 

Geschichten erzählen kann nicht jeder 

 

Das Märchenerzählen für Menschen mit Demenz ist alles andere als profan, weiß Marlies Ludwig. Die Schauspielerin und professionelle Demenzerzählerin führt die Schulungen mit den Pflegekräften durch. „Märchenstunden mit Demenzerkrankten fordern die Erzähler mental, körperlich und stimmlich heraus“, sagt Ludwig. Es brauche ein hohes Maß an Konzentration und Einfühlungsvermögen, um die Aufmerksamkeit der Zuhörer zu halten. Außerdem sei es wichtig, die Teilnehmer nicht wie Kinder zu behandeln.

 

„Spieglein, Spieglein, an der Wand …“

 

Märchen sprechen Kindheitserinnerungen aus dem Langzeitgedächtnis an – sei es die gesamte Handlung oder nur eine Formel wie „Spieglein, Spieglein, an der Wand…“. Genau deshalb eignen sie sich sehr gut dazu, Menschen in den unterschiedlichen Stadien der Demenz zu erreichen. Durch die gemeinsamen Erzählstunden kommen die Heimbewohner außerdem in Kontakt zueinander. Gleichzeitig kann das Märchenerzählen demenzbedingte Verhaltensweisen wie zielloses Umherwandern, Aggressivität, Zurückgezogenheit oder vokale Störungen mindern. Das steigert die Lebensqualität der Betroffenen und entlastet gleichzeitig die Pflegekräfte.

 

Wirkung Wissenschaftlich untersucht

 

Entwickelt wurde das professionelle „Demenzerzählen“ von MÄRCHENLAND – Deutsches Zentrum für Märchenkultur in einer fünfjährigen wissenschaftlichen Wirksamkeitsstudie im Auftrag des Bundesfamilienministeriums und in wissenschaftlicher Begleitung durch die Alice Salomon Hochschule Berlin.



Bild zur journalistischen Nutzung mit Nennung der Quellenangabe "Philipp Schumann" zum Abdruck frei.

Bild zur journalistischen Nutzung mit Nennung der Quellenangabe "Philipp Schumann" zum Abdruck frei.


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