DIE DEBATTE: GESUNDHEIT ZUM FRÜHSTÜCK

15. November 2017

Mehr Wettbewerb für mehr Gesundheit – Wohin steuert das Gesundheitssystem?

In der Gesundheitspolitik stellt sich mit Blick auf die anstehende Neubildung einer Bundesregierung die Frage nach den künftigen Rahmenbedingungen für ein gleichermaßen patientenorientiertes wie finanzierbares Gesundheitswesen. Mit der entscheidenden Frage, wie viel Wettbewerb gut für System und Patient ist, beschäftigten sich Dr. Dietmar Bartsch, Vorsitzender der Bundestagsfraktion DIE LINKE., und Prof. Achim Wambach, Vorsitzender der Monopolkommission, heute im Rahmen der Veranstaltung Gesundheit zum Frühstück der Schwenninger Krankenkasse in Berlin.

 

Dr. Dietmar Bartsch steht dem Wettbewerb im Gesundheitswesen generell kritisch gegenüber: „Die neue Bundesregierung sollte weg von der Wettbewerbsideologie, hin zu einer Politik, die unvoreingenommen gute Gesundheitspolitik macht und die Versorgung verbessert."

 

Prof. Achim Wambach betont die Notwendigkeit wettbewerblicher Elemente in der Krankenversicherung: „Die Intensivierung des Wettbewerbs innerhalb der Krankenversicherungssysteme ist Voraussetzung, um eine bessere Versorgung für die Versicherten zu gewährleisten und die Kosten zu senken. Im Bereich der GKV spielt der morbiditätsorientierte Risikostrukturausgleich (Morbi-RSA) zwischen den Kassen eine entscheidende Rolle. Er dient zur Vermeidung von Risikoselektion und ermöglicht faire Chancen im Wettbewerb. Der Finanzausgleich ist insgesamt leistungsfähig, hat aber Verbesserungspotential.“

 

Siegfried Gänsler, Vorsitzender des Vorstandes der Schwenninger Krankenkasse, zieht 25 Jahre nach dem Gesundheitsstrukturgesetz, das die wettbewerbliche Ausrichtung der gesetzlichen Krankenversicherung forciert hat, eine überwiegend positive Bilanz: „Wettbewerb und Sozialversicherung – das passt zusammen. Der Wettbewerb hat die Arbeit der Krankenkassen professionalisiert und spornt uns an, jeden Tag besser zu werden. Davon profitieren auch die Versicherten. In der Versorgungsgestaltung sind diese Potentiale noch nicht vollständig angekommen. Wir müssen endlich zu einem wirklichen Qualitätswettbewerb kommen, der Innovationen fördert und die Gesundheitsversorgung nachhaltig verbessert. Dafür müssen die Rahmenbedingungen stimmen, über die sich die neue Regierung schnell verständigen muss.“



Debatte zum Wettbewerb im Gesundheitswesen: Dr. Dietmar Bartsch, Vorsitzender der Fraktion DIE LINKE. im Bundestag, Moderator Gerhard Schröder vom Deutschlandradio, Prof. Achim Wambach, Vorsitzender der Monopolkommission, und Siegfried Gänsler, Vorsitzender des Vorstandes des Schwenninger Krankenkasse (v.l.n.r.).

Siegfried Gänsler mahnt Reformen an, um einen fairen Wettbewerb der Kassen zugunsten einer besseren Versorgung der Menschen zu gewährleisten: „Wer Vielfalt und Wettbewerb erhalten und fördern will, muss auch die Rahmenbedingungen richtig setzen.“

Dr. Dietmar Bartsch spricht sich nicht kategorisch gegen Wettbewerb aus. Es brauche aber klare Regeln , denn Gesundheit sei kein normaler Markt wie jeder andere. Wettbewerb dürfe nicht auf Kosten der Patienten und Versicherten gehen.

Prof. Achim Wambach betont die Chancen des Wettbewerbs: „Die Intensivierung des Wettbewerbs innerhalb der Krankenversicherungssysteme ist Voraussetzung, um eine bessere Versorgung für die Versicherten zu gewährleisten und die Kosten zu senken.“

Mehr Wettbewerb für mehr Gesundheit – Wohin steuert das Gesundheitssystem? Zahlreiche Gäste aus allen Bereichen des Gesundheitswesen erlebten eine spannende Diskussion zur Zukunft der Krankenversicherung.


Alle Fotos zur journalistischen Nutzung mit Nennung der Quellenangabe "Die Schwenninger" zum Abdruck frei.

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